Am Berliner Department Psychologie sind verschiedene lokale Forschungsschwerpunkte angesiedelt. Die Schwerpunkte sind den Lehrstühlen und Arbeitsbereichen zugeordnet. Forschungsprojekte werden sowohl lokal vernetzt als auch durchführungsort-übergreifend sowie in internationaler Kooperation mit Forscher*innen und Praktiker*innen anderer Universitäten durchgeführt. Dies trägt der europäischen Ausrichtung der SFU als auch der Internalisierung insgesamt Rechnung. 

Theorie und Geschichte der Psychologie
Ass.-Prof. Dr. Dr. Martin Wieser
Charlotta Sippel, M.Sc.
Caroline Jacobi, M.A.

Im Zentrum dieses Forschungsschwerpunkts steht die Rekonstruktion der Geschichte der akademischen und angewandten Psychologie in ihrem politischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Kontext. Auf der Grundlage von Methoden der Wissenschafts- und Sozialgeschichte, der Biographieforschung und der Oral History werden im Rahmen dieses Forschungsschwerpunktes publizierte und archivierte Materialien analysiert und Zeitzeug*innen befragt, um die Entwicklung psychologischen Wissens und ihrer Praxis im 19. und 20. Jahrhundert zu rekonstruieren. Der Forschungsschwerpunkt dient nicht nur der Beforschung des historischen Zusammenhangs von Psychologie und Gesellschaft, sondern auch der kritischen Analyse der erkenntnistheoretischen und ethischen Dimension psychologischer Forschung und Praxis. Nach dem das vom Zukunftsfond der Republik Österreich und dem Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) finanzierten Projekt „Psychologie in der ‚Ostmark‘. Zwischen Ideologie und Dienstbarkeit“ 2019 abgeschlossen wurde, läuft seit Juli 2020 das Nachfolgeprojekt „Theorie, Praxis und Konsequenzen der Operativen Psychologie“ (ebenfalls vom FWF finanziert) im Rahmen dieses Forschungsschwerpunktes.

Entwicklung, Bildung und Kultur
Prof. Dr. Meike Watzlawik
Dr. Christina Ayazi
Dipl.-Psych. Ska Salden
Doktorand*innen: René_ Rain Hornstein, Sabrina Saase, Lina Jacob Carande

Am Lehrstuhl Entwicklung, Bildung und Kultur steht das Thema „Embracing Ambiguity“ im Fokus. Der Forschungsschwerpunkt beschäftigt sich mit den vielfältigen Identitäten, Situationen, Positionen und Lebensentwürfen von Menschen und berücksichtigt die Eingebundenheit in vorhandene (Macht-) Strukturen. Eine intersektionale Betrachtungsweise erlaubt, die Komplexität individuellen Erlebens zu beschreiben, zu verstehen und auf dieser Grundlage Diskriminierung entgegen zu treten. Ein spezieller Fokus liegt dabei auf der (Selbst-)Ermächtigung, dem Empowerment marginalisierter Gruppen sowie intersektionaler Kompetenz, um einen wertschätzenden Umgang mit Vielfalt zu fördern und neue Handlungsmöglichkeiten zu schaffen. Themen, die aktuell vertieft werden, sind:

  • Privilegien reflektieren – Intersektional therapieren? Intersektional-sensible Haltungen und Verhaltensweisen in der Psychotherapieausbildung (Saase)
  • Internalisierte Trans*feindlichkeit und Community-Empowerment (Hornstein)
  • Diskriminierungserfahrungen queerer Schwangerer im Gesundheitssystem (Salden)
  • Social and Personal Trajectories of Development in LGBT* Individuals in Off- and Online Communities (Carande)

Sozialpsychologie und interkulturelle Praxis
Prof. Dr. Oliver Decker
Prof. Dr. David Becker
Ass.-Prof. Karin Mlodoch
Leonard Brixel
Kate Sheese

Am Lehrstuhl Sozialpsychologie und interkulturelle Praxis der SFU Berlin fokussiert die Forschung auf soziale Konflikte in verschiedenen Gesellschaften, die Entstehung und die unterschiedlichen Erscheinungsformen von Ressentiments und die Möglichkeiten und Grenzen solidarischer Handlungsfähigkeit. Die Forschung hat die bundesdeutsche Gesellschaft, aber auch internationale soziale Konflikte zum Gegenstand:

  • In der Bundesrepublik werden autoritäre Dynamiken sowohl mittels bevölkerungsrepräsentativer Befragungen, als auch mit qualitativ-sinnrekonstruktiven Methoden untersucht. Diese Projekte werden in Kooperation mit verschiedenen öffentlichen Einrichtungen durchgeführt. Eine enge Zusammenarbeit besteht mit dem Else-Frenkel-Brunswik-Institut der Universität Leipzig.
  • In weiteren Forschungsprojekten rückt das Zugehörigkeitserleben von jungen Menschen in den Mittelpunkt. Die psychischen, familiären, sozialen und politischen Bedingungen, die das Erleben von Zugehörigkeit ermöglichen oder behindern werden mittels qualitativer und partizipativ-aktionsorientierter Methoden untersucht. Ein Fokus liegt dabei auf dem Stellenwert bundesdeutscher Geschichte, insbesondere der beiden postnationalsozialistischen deutschen Teilstaaten und der Transformationsprozesse seit 1989.
  • Im Bereich der psychosozialen und psychologischen Unterstützung in internationalen Konflikt- und Krisenregionen arbeiten die Mitarbeiter*innen eng mit humanitären und entwicklungspolitischen Organisationen zusammen. In partizipativen und angewandten Forschungsprojekten entwickeln sie Betreuungs- und Peer-Support-Strukturen für Mitglieder staatlicher und zivilgesellschaftlicher Organisationen in Syrien, der Türkei und Afghanistan und führen Trainings für Fachkräfte aus dem Gesundheits- und Bildungswesen sowie für Gemeindevertreter*innen zur psychosozialen Unterstützung afghanischer Flüchtlinge und der Aufnahmegemeinschaften in Pakistan durch. Zu den Kernprinzipien dieser Projekte gehören ein holistisches, kontext-sensibles Verständnis von Wohlbefinden und psychosozialer Unterstützung und die Stärkung  von Handlungsfähigkeit, Wissen und Praxis lokaler Partner*innen. So tragen diese Forschungs-Praxis-Kooperationen auch zu der breiteren Debatte um die Dekolonialisierung  psychologischen Wissens bei.   

 

Insgesamt streben alle Projekte einen Bezug zur beruflichen und lebensweltlichen Praxis der Psychologie her, sei es durch einen Transfer der Ergebnisse in verschiedene Berufs- und Praxisfelder, durch Beiträge zur Antidiskriminierung, der politischen Bildungsarbeit oder auch der kritischen Aufarbeitung und Reflexion des Verhältnisses von Psychologie und Gesellschaft