Projekt | Internalisierte Trans*feindlichkeit und Community-Empowerment

Forschungslücke: Internalisierte Unterdrückung

Verinnerlichte Diskriminierungserfahrungen, die sich aus gesellschaftlichen Machtverhältnissen ergeben, werden als „internalisierte Unterdrückung“ bezeichnet. Im vorliegenden Promotionsprojekt soll die existierende Forschungslücke zu internalisierter Unterdrückung bei Trans*menschen, kurz internalisierte Trans*feindlichkeit, adressiert werden. Ziel ist, eine grundlegende Theorie der internalisierten Trans*feindlichkeit zu entwickeln.

Von Interesse sind zum einen, welche Prozesse und Mechanismen internalisierte Trans*feindlichkeit genau ausmachen, und zum anderen, wie sich die Manifestationen und Ausprägungen von internalisierter Trans*feindlichkeit zwischen Individuen unterscheiden. Dabei wird berücksichtigt, dass Machtverhältnisse intersektional miteinander verwoben sind, sodass internalisierte Trans*feindlichkeit im Zusammenspiel mit anderen internalisierten Unterdrückungsmechanismen betrachtet wird.

Darüber hinaus wird untersucht, wie eine Person trotz ausgeprägter internalisierter Trans*feindlichkeit handlungsfähig bleibt bzw. (wieder) werden kann. Bisherige Studien zeigen, dass dieses Handlungsfähig-Werden (vorläufig „Empowerment“ genannt) von Gemeinschaften wie der Trans*community befördert werden kann. Daher wird hier der Zusammenhang zwischen internalisierter Trans*feindlichkeit und Community-Empowerment genauer betrachtet.

In einem ersten Schritt werden Menschen interviewt, die auf trans*affirmative, nicht-pathologisierende Weise psychotherapeutisch und beraterisch mit Trans*personen arbeiten. Ihre praxisbezogenen Verständnisse von internalisierter Trans*feindlichkeit und (Community-)Empowerment sind Ausgangspunkt der Theoriebildung. Im Sinne der Grounded Theory werden anschließend weitere Personengruppen befragt (z. B. Menschen aus der Trans*community oder Aktivist*innen), um das Phänomen der internalisierten Trans*feindlichkeit aus verschiedenen, kompetenten Blickwinkeln zu beleuchten und so schrittweise ein Gesamtmodell zu erarbeiten. Auf Basis dieses Modells der internalisierten Trans*feindlichkeit sollen dann Ableitungen für die Praxis getroffen werden.